07.Mai.2014 - Geschichte der FW-Kirchhasel

Die Kirchhaseler Feuerwehr

Auszug aus der „Geschichte der Haseldörfer“ von Jürgen Weyer (2005)


1669    Die neue „Gräfflich Schwartzburg-Rudolstädtische Erneuerte Feuer-Ordnung“   regelt:


I.    Was zur Verhütung der Feuergefahr, vermittels göttlicher Hilfe, von jedermann zu beachten ist (Hausväter sind für den Zustand der Feuerstellen verantwortlich, Feuerstellen sind zu Walpurgis und Michaelis behördlich zu kontrollieren, kein Dreschen von Getreide und Füttern von Vieh bei künstlichem Licht, bei starkem Wind keine Nutzung von Pechfackeln, sondern nur Laternen, behördliche Anzeigepflicht des Baues von Herden, Backöfen, Malzdarren, Brau-, Wasch- und Siedekesseln, in jedem Haus musste ein lederner Löscheimer vorhanden sein, die Dorfgemeinde hatte eine gemeine Feuerspritze, Feuerleitern und Feuerhaken bereit zu halten usw.)
II.    Wie man sich bei entstehender Feuersbrunst zu verhalten hat, und was ein jeder tun soll (Meldung des Ausbruchs eines Feuers durch „Geschreye“, Läuten der Sturmglocken, Hornblasen o.a.. Alle Bewohner, die zur Hilfeleistung in der Lage sind, müssen mit Löschwerkzeugen unverzüglich zur Brandstelle eilen, für die Feuerspritze sind 2 verantwortliche Personen festzulegen, die den Löscheinsatz organisieren und leiten usw.)
III.    Was weiter zu tun ist, wenn mittels göttlicher Hilfe die Feuersbrunst gedämpft wurde (Ergründung der Brandursache, Bestrafung des Verursachers und von Dieben und Plünderern, Einsatzbereitschaft der Löschmittel wieder herstellen usw.)


1725    In Oberhasel brennt das Eberlein’sche Haus ab und die Abgebrannten erhalten 2 ½ Jahre Steuererlass.


1738    Am 14. Dezember brennen in Oberhasel 2 Häuser und 5 Scheunen ab. Der Fürst spendet 2 rt.


1740    Eine behördliche Verfügung des schwarzburg-rudolstädtischen Ministeriums vom 30. September verbietet aus Brandschutzgründen, neu zu bauende Hausdächer mit Holzschindeln zu decken. /


1752    In Oberhasel wurde eine Scheune durch Blitzeinschlag angezündet.


1762    Erste Erwähnung einer Feuerwehr in Kirchhasel. Der Spritzenmeister und die Spritzendrücker erhalten jährlich aus der Gemeindekasse  einen Obolus. Löscheinsätze honoriert die Gemeinde mit Freibier und Schnaps extra. Außerdem musste die Dorfkasse  für Schmer (Schmierfett) und die Reparatur der  Spritze und des Spritzenhauses aufkommen.


1773    Seit 1753 laufen in Schwarzburg-Rudolstadt die Versuche, eine Brandschadenskasse zu begründen. Erst mit Wirkung vom 1. September 1798 gelingt es, eine „Freiwillige Brandversicherungsgesellschaft im Fürstentum Schwarzburg-Rudolstadt“ ins Leben zu rufen. Vor allem auf dem Lande kommt man mit der Häusertaxe nicht voran: ... Am heftigsten widersetzten sich die Einwohner von Kirchhasel der Abschätzung ihrer Häuser. Dort brach 1773 geradezu eine Revolte aus, als die Kommission im Beisein des Schultheißen der in der Schenke versammelten Gemeinde den Zweck ihrer Anwesenheit klarzumachen suchte. Ohne den „sachdienlichen Vortrag“ abzuwarten, erhoben die Versammelten sofort heftigsten Protest und gaben unter „allerempfindlichsten Ausdrücken“ zu erkennen, dass sie an der Wahrheit des angeführten Zwecks überhaupt zweifelten. Als sich darauf die Kommission anschickte, die Abschätzung ohne die Bewohner nur mit dem Schultheißen zu vollziehen, wurde letzterer einfach festgehalten. Auch eine kurze Bedenkzeit nutzte nichts, die Kommission musste unverrichteter Dinge zurückkehren. Natürlich löste dieser Vorgang sowohl bei den Behörden als auch bei Hofe größtes Missfallen aus. Als „Hauptrebell“ wurde Hans Dietrich Jäcksch ermittelt, der kurzerhand vier Wochen ins Zuchthaus nach Schwarzburg wanderte. Der Gemeinde wurde aber im Fall fernerer Weigerung mit 100 Talern Strafe gedroht. Da nunmehr die Arbeit der Kommission glatt verlief, schickte man auch Jäcksch nach einigen Tagen wieder nach Hause. ...


1774    Am Abend des 18. Februar brennen in Unterhasel 2 Häuser gleichzeitig, weshalb von einer Brandstiftung ausgegangen werden muss.


1830    In Oberhasel wird eine Feuerspritze angeschafft und ein Spritzenhaus erbaut, was die Gemeinde 140 fl (Gulden) kostete.


1855    Die Ortsfeuerwehr von Kirch- und Unterhasel besteht aus 2 Spritzenmeistern, 12 aktiven Feuerwehrleuten, zwei Reservisten und 3 Feuerboten. Es besteht für alle jungen Männer die Pflicht, in der Feuerwehr zu dienen. Bei Neuzugang eines Wehrpflichtigen wird das älteste Mitglied in die Reserve versetzt und der älteste Reservist entpflichtet. Als Spritzenmeister werden geeignete Ortsbürger von den Gemeindevorständen gewählt und vom Fürstl. Landratsamt bestätigt. Die Oberaufsicht über die Spritze und die Mannschaft liegt bei den beiden Schultheißen. Zweimal im Jahr, vor Pfingsten und vor Michaelis, erfolgen die festgelegten Spritzenproben, bei denen die Funktion der Spritze überprüft wird. Für die Spritzenproben und die auswärtigen Feuereinsätzen erhält die Mannschaft jedes Mal ½ Eimer Bier (ca. 30 Liter) und die Hälfte der durch die Spritze verdienten Prämie; die andere Hälfte der Prämie erhält der Eigentümer des Zugviehs, das die Spritze zur Feuerstätte gezogen hat. Für das Fernbleiben von den Übungen bzw. Einsätzen, oder das zu spät Kommen sowie bei nicht Befolgen von Anweisungen können Strafen zwischen 30 Kreuzern und 3 Gulden 30 Kreuzern ausgesprochen werden, welche der allgemeinen Feuerwehrkasse zu Gute kommen.


1864    Der Kirchhaseler Einwohner Louis Bloß kauft von Ernst Kellner dessen Gehöft in Unterhasel (Nr. 9) auf Abriss und stellt am 12.3. den Antrag an den Gemeinderat, dieses Gehöft in Kirchhasel unterm Dorfe neben Karl Heunsch II seinem Garten wieder aufbauen zu dürfen. Das wird jedoch abgelehnt und ihm ein anderer Bauplatz im Oberdorf zugewiesen, wo es schadlos zur Ortslage passe. Ernst Kellner wird in Kirchhasel aufgenommen, er zieht in das alte Bloß’sche Haus in der Rittelgasse ein.  Am Sonntag, dem 23. Oktober, Abend 5 Uhr, brennt die Scheune des Luis Bloß ab. Für ihren Löscheinsatz bei diesem Scheunenbrand erhält die Oberhaseler Feuerspritze  aus der Magdeburger Versicherungskasse eine Prämie von 8 Talern.   Zwei Tage später ermahnt der Kirchhaseler Gemeinderat die Kirchhäsler und Unterhäsler Einwohner, den abgebrannten Louis Bloß eine Unterstützung zukommen zu lassen.


1874    Anschaffung  einer  kleinen Feuerspritze  mit  Schläuchen. Spritzenmeister dieser  Spritze wird Hubert  Müller.  Die Gemeinde  besitzt  schon eine  große Feuerspritze, deren Spritzenmeister der Schmied Louis Jahn ist.

 

1884   Offizielle Gründung der Feuerwehr Kirchhasel.


1888    Der Gemeinderat hält es für gut,  das "Feuerläuter-Dach“ abzutragen  und dieselben  (Glocken?)  an  Oskar  Müller seiner Scheune anzubringen.


1888-94    Es wird für nötig erachtet, ein neues Spritzenhaus zu bauen und gleichzeitig eine Waage von 100 Ztr. Zungkraft mit anzubringen. Maurermeister Blümler aus Rudolstadt wird mit der  Anfertigung des Grundrisses beauftragt.  Die Zeichnungen liegen im Januar 1887 vor und sollen Zimmermeister  Mächtig in  Kirchhasel übergeben werden. Das neue Spritzenhaus  soll dicht am Bache zu stehen kommen. Als Standort werden vorgeschlagen:
1. an der Pfarrmauer oder
2. an der Stelle, wo das alte Brauhaus stand.
Das  Gebäude  wird  erst 1894 "unterhalb des Ortes  in  der Nähe des Kastanien-baumes“ durch Friedrich Berger und Gustav Fritze   errichtet. Danach   wurde  das   alte   Spritzenhaus abgerissen.


1904    Kauf einer neuen Feuerspritze am 15.1. für 1500 Mark. Die alte Spritze  wurde  schon 1901, als sie wegen eines Ventilbruches zur Reparatur bei der Firma Mayer in Rudolstadt war, als nicht mehr zweckmäßig begutachtet. Das Fürstliche Landratsamt forderte seitdem die Anschaffung einer moderneren Spritze.


1932    Bau  einer Wasserstauanlage im Haselbach  oberhalb der Riethtalgrabeneinmündung,  um  den Motorspritzen einen  ausreichenden Wasservorrat  im  Brandfalle  zu  verschaffen.  Die  Gemeinde Kirchhasel    besaß  damals   wahrscheinlich   noch    keine Motorspritze,  zumindest lehnte der Gemeinderat am  20.12.1930  den Kauf einer Kleinmotorspritze wegen zu hoher Anschaffungskosten  (2100-2800 RM) ab.  Man fand,  dass im Bedarfsfall mit der   alten   und   der  neuen   (Hand-)Spritze   sowie   den Wasserhydranten genügend Abwehrmittel vorhanden sind.


1933    (25.8.) Beschluß des Gemeinderates zum Bau der Haselbach-Stauanlage im unteren Dorf zu Feuerlöschzwecken, wofür von der Kreisverwaltung ein Zuschuss von 200 RM in Aussicht gestellt wird. Die Stauanlage wird mit dem abgebauten Geländer der Riethtalgassen-Kanalisation eingefriedet. Da der ehemals offene Kanalisationsgraben in der Riethtalgasse 1928 mit Betonplatten abgedeckt wurde, wird das Geländer dort nicht mehr benötigt,


1935    (31.10.) Es sollen neue Hydranten moderneren Typs angeschafft werden, da die alten durchgerostet sind.  Eine Ortssatzung regelt die Pflichten und Rechte der Freiwilligen Feuerwehr.


1940    (6.10.) Die Gemeinde kauft von den Magiruswerken eine neue Motorspritze für die Feuerwehr. Der Preis beträgt einschließlich Anhänger 3600 RM. Hierzu gibt der Staat einen Zuschuß von 1000 RM und der Landkreis Rudolstadt einen Zuschuß von 500 RM. Die Lieferung der Spritze soll im März oder April nächsten Jahres erfolgen. Das lange geplante und schon projektierte Feuerwehrgerätehaus, das in den Garten neben Haus Nr. 11 entstehen soll und für das schon 1938 ein Zuschuß von 700 RM bewilligt war, konnte bisher noch nicht errichtet werden.
Infolge der Kriegslage werden alle Feuerwehrleute des Landkreises zu Hilfspolizisten verpflichtet und der Befehlsgewalt des Oberpolizeiverwalters unterstellt. Als Beamte des nationalsozialistischen Staates haben sie nunmehr ein bestimmtes Treueverhältnis an den Tag zu legen, ihr Leben für bestimmte Aufgaben einzusetzen und jederzeit zum Einsatz für Führer und Volk bereit zu sein.


1945      (10.4./ 15 Uhr)  Bombardierung von Rudolstadt-Volkstedt. Zur Bekämpfung der Brände werden alle Feuerwehren der Nachbarorte zusammen gezogen; auch die aus 12 Mädchen und Frauen bestehende Feuerwehr Kirchhasel unter der Leitung des Feuer-wehrhauptmanns Otto Straubel, der auf Grund seines hohen Alters wehruntauglich ist, wird zum Katastropheneinsatz nach Volkstedt beordert. Durch die ungeheure Rauchentwicklung und den Mangel an Wasser sind die Löscharbeiten sehr erschwert. Die Männer, die hätten helfen können, mussten jenseits der Saale Dienst tun!
Neben 103 total und 62 teilweise zerstörten Häusern sind 5 Porzellanfabriken, die Kirche und das Pfarrhaus, in dem Schiller 1788/89 wohnte, ein Opfer der Bomben geworden. Es wurden 36 Menschen getötet, zahlreiche verletzt und 302 Familien obdachlos.


1961        Am 13. Januar brach gegen Mitternacht ein Feuer im Grundstück Nr. 36 (Hercher) aus. Ursache war eine Verpuffung in der unbeaufsichtigten Räucherkammer im Nebengebäude zwischen Wohnhaus und Scheune. Das Nebengebäude und die Scheune sowie ein Strohschuppen des Nachbargrundstückes brannten völlig ab. Die unmittelbar an das brennende Nebengebäude angebaute Scheune des Nachbargrundstückes Nr. 35 (Bloß/Weyer) konnte die Feuerwehr erhalten. Die abgebrannte Scheune wurde durch eine nicht mehr benötigte Scheune ersetzt, die von Cumbach umgesetzt wurde. Für das abgebrannte Nebengebäude und den Strohschuppen des Nachbarn wurden neue Massivgebäude errichtet, die die Feuerversicherung bezahlte. Ebenso wurde das verbrannte Stroh und Heu durch die Versicherung ersetzt.


1961        Aktion gegen die nach Westen ausgerichteten Fernsehantennen (Flugblätter unter der Losung „Lieber Bürger sei kein Tropf, entferne deinen Ochsenkopf“, damit waren die Antennen gemeint, die auf den bundesdeutschen Fernsehsender auf dem fränkischen Berg namens „Ochsenkopf“ ausgerichtet waren). Die Freiwillige Feuerwehr wurde angewiesen, Brandschutzkontrollen durchzuführen, um festzustellen, ob die vom Dach abgebauten Antennen nicht wieder unter dem Dach angebracht wurden.


1988        Nachdem die Monate Dezember 1987 bis Februar 1988 die drittmildesten Wintermonate unseres Jahrhunderts waren, kam der Winter Ende Februar doch noch mit großen Schneemassen, die aber schon Mitte März wieder wegtauten. Die Schneeschmelze und zusätzlicher Regen bewirkten eine Überschwemmung der Saale. Am 01.04.1988 zeigt der Pegelstand in Rudolstadt 1,50 m über den Normalwert, was die Auslösung der höchsten Alarmstufe für die Zivilverteidigung notwendig machte. Die Freiwillige Feuerwehr Kirchhasel (Wehrleiter Peter Bräutigam) musste einen Kontrollposten an der Saalebrücke bei Unterhasel stellen und mit schwerer Forsttechnik einen vor der Brücke quer liegenden Baumstamm aus dem Wasser ziehen. Da die Saaletalsperren inzwischen voll waren und die enormen Wassermassen nicht mehr aufhalten konnten, stieg der Saalepegel bis zum 07.04.1988 auf 2,40 m über den Normalwert und überflutet einen großen Teil der Kirchhaseler Flur. Besonders ungünstig wirkte sich aus, dass der vor 150 Jahren gebaute Hochwasserschutzdamm am Saaleknie „Vor Redwitz“ vor 3 Jahren von der LPG (P) Kirchhasel eingeebnet wurde, um die saalenahen Wiesen in Ackerland umzuwandeln. Ab 09.04. sank der Pegelstand wieder und die Alarmstufe konnte aufgehoben wurden. Nach dem Rückgang des Wassers war das ganze Ausmaß der Schäden sichtbar: von dem neu gewonnenen Ackerland war ein Teil des fruchtbaren Bodens abgeschwemmt und Sand- bzw. Kiesbänke sowie Holz und große Mengen Unrat, sogar tote Tiere waren angeschwemmt. An den „Quellwiesen“ war ein 7 m breiter Uferstreifen bis auf die kiesige Unterschicht völlig abgetragen worden. Bei der späteren Instandsetzung dieses Uferstreifens durch den VEB Meliorationsbau Saalfeld wurden die letzten Mauerreste des Brunnenhauses der ehemaligen Heilquelle (siehe 1810) durch schwere Raupenfahrzeuge beseitigt. Am Saaleknie „Vor Redwitz“ hatte das Hochwasser die 1892 gebauten Buhnen wieder frei gespült, sie waren im Laufe der Zeit mit Schlamm zugeschwemmt und mit Strauchwerk und Bäumen überwachsen.


1990       (03.06.) Die  Feuerwehr unserer Namensvettergemeinde  Kirchhasel/Rhön besuchte unsere Kirchhasel in Thüringen. Nach dem Mittagessen in Uhlstädt und der Besichtigung der Heidecksburg wurden die 58  aktiven  und passiven Feuerwehrleute durch die Gastgeber im Speisesaal der LPG mit Kaffee und selbstgebackenem Kuchen herzlich  empfangen. Trotz Regen zeigten die hiesigen Kirchhaseler  ihren  Gästen das Dorf, die Kirche, das Feuerwehrgerätehaus und den LPG-Technikstützpunkt. Der Abend klang in gemütlicher Runde mit  Thüringer  Rostbratwürsten und Pörz-Bier  aus.  Da das Interesse und die Wissbegier auf beiden Seiten sehr groß war, gab es sehr intensive Diskussionen zwischen Gästen und Gastgebern, bei denen einige persönliche Kontakte hergestellt wurden.


1993     Die Kirchhaseler Freiwillige Feuerwehr bestand seit längerer Zeit nur noch auf dem     Papier. Im August erklärte sich der frühere Wehrleiter Peter Bräutigam dazu bereit,     die Wehr wieder zu aktivieren. Leider ändert sich bis zum Jahresende wenig, es     fanden weder Schulungen noch Übungen statt.


1994     Am Dienstag, dem 2. April, gingen ununterbrochene sintflutartige Regenfälle über     Thüringen nieder. In Jena wurden 80 l Regen pro m² innerhalb von 24 Stunden     gemessen, anderenorts noch mehr. Diese Regenmengen machten alle sonst so braven     Rinnsale zu tosenden Flüssen. Der Haselbach schwoll am Dienstagnachmittag so an,     dass die linksseitige Haselbachstraße in Kirchhasel von der Pfarrmauer bis zum     Kindergarten überflutet war. In Oberhasel stand die Straße am Feuerschutzwehr unter     Wasser. Die Strecke nach Neusitz wurde gesperrt. Die Kirchhaseler Feuerwehr rückte     aus, um die Brückendurchlässe frei zu halten. Der Keller des Kindergartens lief voll,     so dass die Kinder am Mittwoch im Gemeindesaal untergebracht wurden mussten.     Während am Mittwoch der Pegelstand des Haselbaches wieder zurückging, stieg der     der Saale unaufhörlich an. Gegen Mittag wurde die höchste Alarmstufe IV     ausgerufen, um 15 Uhr stand der Pegel an der Rudolstädter Elisabethbrücke bei     2,93m. Auf den Unterhaseler Saalewiesen konnten in letzter Minute noch 71 Rinder     der Agrargenossenschaft Catharinau gerettet werden. Um 18 Uhr überstieg der Pegel     die 3 m Marke. Auch die ältesten Kirchhaseler konnten sich nicht an einen so hohen     Wasserstand der Saale erinnern. Sämtliche Saalebrücken zwischen Saalfeld und     Zeutsch waren gesperrt; die Volkstedter Holzbrücke trugen die Wassermassen davon,     sie wurde im Saaleknie „Vor Redwitz“ zusammen mit einem riesigen Berg     Schwemmgut angespült. Zwischen Rudolstadt und Saalfeld wurde der Bahnverkehr     eingestellt. Ein Unterweißbacher Bürger wurde von den Lichtefluten mitgerissen und     ertrank. In Unterhasel umspülten die Wassermassen das Schiefner’sche Haus und     auch in den beiden anderen Unterhaseler Häusern liefen die Keller voll Wasser.     Evakuierungen waren aber nicht notwendig. Mitten über den Dorfplatz verlief ein     reißender Strom, der Zäune eindrückte, eine Holzhütte zum Einsturz brachte und das     Gebäude der Wasserwirtschaft sowie ein Gartenhaus mit Schlamm füllte. Durch den     Altsaaledurchlass wurden die Wassermassen auch in den nördlich des Bahndammes     gelegenen Flurteil gedrückt. Da die Grundstücke im Gewerbegebiet jedoch alle     aufgeschüttet wurden, bekam dort niemand nasse Füße. So schnell wie das Wasser     gekommen war, war es auch wieder weg. Schon am Mittwochabend war ein leichter     Rückgang des Pegels dank der geschlossenen Saaletalsperren zu verzeichnen. Bis     Donnerstagnachmittag zog sich die Saale im Wesentlichen wieder in ihr altes Bett     zurück. In den Ortslagen von Unter-, Kirch- und Oberhasel waren die     zurückbleibenden Schäden im Vergleich zu anderen Orten relativ gering. Am     stärksten hatte es wohl die Agrargenossenschaft Catharinau getroffen, deren     saalenahen Felder von Kirchhasel bis Uhlstädt vom Wasser verwüstet waren.


1995     Am 8. Januar brannte das Wohnhaus Nr. 46 (Besitzerin: Wieslawa Grey, jetzt     Riethtalgasse 10). Das Feuer griff auch auf den Dachstuhl des angebauten Hauses Nr.     45 (Fam. Müller, jetzt Riethtalgasse 8) über. Durch den Großeinsatz von 65     Kameraden der Feuerwehren Uhlstädt, Zeutsch, Großkochberg, Rudolstadt und     Saalfeld konnte Schlimmeres verhindert werden, denn an der Brandstelle war die     Bebauung extrem eng. Der Dachstuhl des Hauses Nr. 46 und ein Nebengebäude     brannten völlig ab, das Erd- und Obergeschoss des Hauses wurden durch das     Löschwasser ruiniert. Die 70-jährige Frau Müller aus dem Nachbarhaus wurde mit     einem Schock ins Krankenhaus Rudolstadt eingeliefert, die anderen 3 Bewohner der     beiden betroffenen Häuser waren bei Bekannten untergekommen. Bei den     Löscharbeiten brach sich ein Feuerwehrmann den Knöchel auf der vom gefrorenen     Löschwasser spiegelglatten Riethtalgasse. Es herrschten in der Brandnacht -7°C. Die     kriminaltechnischen Untersuchungen ergaben als Brandursache einen technischen     Defekt an der Elektroanlage. Beide Häuser wurden im Laufe des Jahres wieder mit     Geldern der Versicherung instand gesetzt.


1995     Der Ortsteil Kirchhasel erhielt im März einen Mercedes-Kleintransporter als Feuerwehrauto. Damit hatte der bisherige Feuerwehranhänger ausgedient. Da die Garage im ehemaligen Petzold’schen Brauereigebäude für das neue Auto zu klein war, sollte ein neues Feuerwehrhaus gebaut werden. Noch wichtiger war aber, endlich einen geeigneten und willigen Wehrleiter zu finden und die Wehr  wieder zu beleben. Eine Freiwillige Feuerwehr existierte hier seit mehreren Jahren leider nur auf dem Papier. Deshalb musste der Brand des Grey’schen Wohnhauses im Januar ausschließlich mit auswärtigen Brandbekämpfern gelöscht werden. Am 31.03. wurde die FFW Kirchhasel neu gegründet, Herr Olaf Mildner zum Wehrleiter gewählt und dann vom Bürgermeister berufen. Am 08.04 fand die offizielle Übergabe des Feuerwehrautos vor der alten Feuerwehrgarage statt, zu der ca. 30-40 Interessierte kamen. Bei dieser Werbeaktion wurde die alte Löschtechnik (tragbare Motorpumpe, Schläuche, Verteiler, Strahlrohre usw.) vom ausrangierten Feuerwehranhänger ins neue Auto umgeräumt, die noch fehlende Technik aufgelistet und die neue Schutzbekleidung anprobiert.


1997     Die Gemeinde kaufte die ehemalige Lebensmittelverkaufsstelle von der Konsum-Genossenschaft und baute das Gebäude zum Feuerwehr-Gerätehaus um. An der Stelle des Schaufensters wurde ein rotes Sektionaltor für das Feuerwehrauto eingebaut. In der Gemeinderatssitzung am 23.09. wurde eine neue Feuerwehrsatzung beschlossen.


2000     Im April wurde das Feuerwehrhaus Kirchhasel (ehemalige Konsum-Verkaufsstelle)     saniert. Durch den Bauhof der Gemeinde wurde das Dach neu gedeckt und die     Außenfassade gestrichen.